Chronik der Kgl. priv. Feuerschützen-Gesellschaft von 1601

( Verfasser: Oskar Schmidt – 03.06.1976 )

Diese Chronik behandelt die Zeit vom Beginn des 2. Weltkrieges 1939 bis zum Jahr 1973.

Die Gesellschaft besaß die schönste und zweckmäßigste Schiessanlage Niederbayerns und verfügte über eine 130 m – 175 m und 300 m Stand sowie eine Kleinkaliber-Anlage auf 50 m. Auf dem 300 m Stand wurde beim Kirchweihschiessen 1938 zum letzten mal geschossen. Auf dem 130 m Stand und dem 175 m Stand wurde nach altem Brauch in den Kriegsjahren noch einige Kirta- und Vortelschiessen mit wenigen Schützen durchgeführt, zum letzten male im Jahr 1944. Bei diesem Schiessen gab es noch Preise, wie Hasen, Fasanen, Rebhühner und Rehfleisch, welche damals sehr begehrt waren.

Während dieser Zeit musste die Schiesstätte auch der Polizei zur Verfügung gestellt werden.

Beim Einmarsch der Amerikaner wurde das Schützenhaus von den Truppen aufgebrochen und als Quartier benutzt. Dabei wurden viele Geräte, wie Scheiben – Ehrenscheiben – Fotos – Telefon und sonstige Einrichtungsgegenstände sinnlos verbrannt und vernichtet.

Als Pächter des „Stammlerkellers“ und Schützenwirt Xaver Hobmeier von den Amerikanern aus seiner Wohnung geworfen wurde, bezog dieser das Schützenhaus als Notquartier. Die Besatzungstruppen hatten zu diesem Zeitpunkt das Schützenhaus wieder verlassen.

Nach der Freigabe des „Stammlerkellers“ wurde das Schützenhaus von Hobmeier wieder geräumt, vom Flüchtlingsamt aber sofort wieder beschlagnahmt. Anfangs August 1946 wurde durch das Arbeitsamt veranlasst, dass die Schiessstätte an Frl. Maria Wallner und später an die Firma Emmerling vermietet wurde.

Was sich noch an Eigentum der Schützen auf dem Dachboden im Schützenhaus befand, musste ausgeräumt werden und wurde notdürftig auf dem Fassboden der Brauerei Schöx untergebracht. Der damalige Pächter des Gasthauses „Schöx“ wurde gebeten, auf diese Sachen zu achten. Aber weit gefehlt. Was von diesen Dingen brennbar war, wurde von diesem Manne verheizt, bis er eines Tages bei Nacht und Nebel verschwand. Die jahrhunderte alten Scheiben, welche hier vernichtet wurden, stellten einen unschätzbaren Wert für die Schützengesellschaft dar.

Hier soll auch erwähnt werden, dass auf Anordnung der Militärregierung alle Waffen in den ersten Tagen der Besatzung abgeliefert werden musste. Selbstverständlich auch die Sportwaffen. Die schönsten und besten Waffen traten dann den Weg als Souvenir nach Amerika an. Die nicht gestohlenen Waffen wurden sinnlos vernichtet.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass es sich hier um keine Militärwaffen sondern ausschliesslich um Sport- und Jagdwaffen handelte. Zu diesem Zeitpunkt dachte jeder, dass das sportliche Schiessen für immer vorbei sie.

Nun wieder zu unserer Schiesstätte:

Die Bruchfirma Emmerling baute das Schützenhaus für ihre Zwecke aus, mit dem Hintergedanken, die Militärregierung würde ihr die Schiesstätte für immer übereigner. Dies konnte aber verhindert werden, ebenfalls auch, das die dem ehemaligen Kreisbauernführer Karl Schöx enteignete Wiese, bei den Schiesstätten gelegen, als Wohnsiedlung ausgewiesen wurde. Da die Firma Emmerling nun einen Gewerbebetrieb im Schützenhaus errichtet hatte, meldete sich auch das Finanzamt und wir mussten für das Schützenhaus nun Haus- und Grundsteuer entrichten. Auch die Soforthilfe blieb nicht aus. Als diese Firma endgültig Pleite war, wurden diese Leute von unserem Schützenkameraden Georg Breiteneicher per Lastwagen nach Rosenheim abgeschoben, nachdem ein Räumungsprozess von seiten der Feuerschützengesellchaft erfolgreich abgeschlossen war. Zurück blieb ein verwüstetes Schützenhaus und Schiessanlage. Als die Besatzungsmacht den Deutschen im Jahr 1950 wieder gestattete mit „Luft“ zu schiessen, nahm nach einiger Zeit die Feuerschützengesellschaft den Schiessbetrieb wieder auf und zwar in der Gaststätte der Brauerei Haslbeck (Stadtplatz). Es soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass sich einige Zeit zuvor bereits ein Schützenverein im Haslbeck-Keller gegründet hatte. Als die Feuerschützengesellschaft den Schiessbetrieb wieder aufnahm, gliederte sich die Gesellschaft in die 18 alten Mitglieder der Gesellschaft und den Zimmerstutzenschützen. In der Generalversammlung 1956 wurde auf Antrag von Schützenkameraden Oskar Schmid, die Zimmerstutzenschützen als ordentliche Mitglieder in die Feuerschützengesellschaft aufgenommen, nachdem Schmid die Satzung der Kgl. priv. Feuerschützengesellschaft eingehend erläutert hatte. Schmid wurde in dieser Versammlung auch beauftragt, die Angelegenheit über die Anerkennung der Gemeinnützigkeit der Gesellschaft mit dem Finanzamt zu klären. Als Ergebnis davon, wurde den Feuerschützen im Jahre 1957 vom Finanzamt Landshut runde DM 800,– zurückerstattet und auch die Gemeinnützigkeit anerkannt.

Es darf hier nicht vergessen werden, dass in diesen Jahren viele Schiessen, wie Geburtstags-, Weihnachts-, Kirta- und Vergleichsschiessen stattfinden und dass alle diese Schiessen ausgezeichnet besucht waren. Besonders verdienen hier die Vergleichsschiessen mit den „Adlerhorstschützen Landshut“ hervorgehoben zu werden, welche sich oft bis in die Morgenstunden ausdehnten. Es waren Schützenabende wie in der guten alten Zeit.

Es verdient auch erwähnt zu werden, dass die Gesellschaft durch ihr Mitglied Oskar Schmid eine gute Verbindung zum Bayerischen Sportschützenbund hatte. Von diesem Manne wurde auch 1958 in der Generalversammlung der Antrag gestellt, die Schiesstätte wieder instandzusetzen. Von den Anwesenden wurde die Ansicht vertreten, dass dies aus finanziellen Gründen nicht möglich sei. Schmid versprach, sich beim BSSB für einen angemessenen Zuschuss einzusetzen und nahm auch die Verhandlungen auf. Das Ergebnis davon war, dass aus Mitteln des Bayer. Staatsministeriums für Unterricht und Kultus ein Zuschuss von DM 60.000,– gewährt wurde. Damit war der Grundstein für den Ausbau unserer Schiessanlage gelegt. Wie immer bei solchen Maßnahmen, gab es auch hier Unstimmigkeiten und es dauerte einige Jahre, bis endgültig alles fertig war. Nicht zuletzt lag es auch an den Mitteln. Es muss auch erwähnt werden, dass die Gesellschaft den hinteren Teil der Schiessanlage (300m Stand) an die Stadt Vilsbiburg verkaufte, was ebenfalls zur Finanzierung der Baumassnahme beitrug. Es verdient hier besonders hervorgehoben zu werden, dass sich Schützenkamerad Josef Polster sehr um den Bau annahm und auch eine Spendenaktion in der Stadt durchführte, welche ebenfalls ein gutes Ergebnis zeigte. Auch die Mithilfe der Stadt Vilsbiburg darf hier nicht unerwähnt bleiben und es gebührt dem 1.Bürgermeister Josef Billinger, sowie 2.Bürgermeister Willy Lerch besonderer Dank.

Die Jahre 1950 bis 1960 wirkten als 1.Schützenmeister Georg Kopp sen. und Anton Beer als 2.Schützenmeister. Diese beiden Schützenkameraden leiteten die Geschicke der Gesellschaft zur vollsten Zufriedenheit der Mitglieder. Ihnen gebührt an dieser Stelle der besondere Dank aller Mitglieder. Im Jahr 1968 trat Georg Kopp aus gesundheitlichen Gründen zurück, Anton Beer legte sein Amt schon einige Jahre früher nieder und es trat Hans Eglseder sen. an seine Stelle. Es soll hier nicht vergessen werden, welche Schiessen in größeren Rahmen von der Feuerschützengesellschaft durchgeführt wurden:

1957

Gauschiessen im Gasthaus Schöx
1959 Gauschiessen im Halsbeck-Keller
1962 Gauschiessen im Bierkeller der Brauerei Haslbeck
1963 Geburtstagsschiessen 
Alois Buchner                               (65 Jahre)

Benedikt Haslbeck sen.

(60 Jahre)
Anton Beer                                 (65 Jahre)
Georg Breiteneicher                  (55 Jahre)
Oskar Schmid                            (55 Jahre)
Benedikt Auer                            (50 Jahre)
Hans Eglseder sen.                    (50 Jahre)
1966  Niederbayerischer Schützentag im Saale der Brauerei Aschenbrenner
1968 Niederbayerisches Bundesschiessen in der Volksfesthalle
Dieses Schiessen konnte einen ausgezeichneten Besuch aufweisen. Während beim Niederbayerischen Bundes- schiessen 1968 in Straubing ein Besuch von 311 Schützen zu verzeichnen war, konnten in Vilsbiburg 1.058 Schützen am Stand begrüßt werden. Dieses Schiessen brachte einen Reingewinn von rund DM 17.000 und wir konnten schuldenfrei dastehen. Dei Stadt erstellte unentgeltlich die Schiessanlage in der Volksfesthalle ( 75 Stände ). Nur so war es möglich, dass am sogenannten Vatertag 384 Schützen reibungslos schießen konnten. Auch hier gebührt den beiden Herren Bürgermeistern mit ihren
Stadträten unserer aller Dank. Nebenbei soll erwähnt werden, dass das Niederbayerische Bundesschiessen von den Schützenkameraden Anton Beer und Oskar Schmid in monatelanger Arbeit vorbereitet wurden.
1973 Gauschiessen mit dem 75. Geburtstagsschiessen unseres Schützenkameraden Anton Beer
Die Beliebtheit unseres Anton Beer kam auch in der Besucherzahl von 422 zum Ausdruck. Ein Anziehungspunkt war schon die vom Jubilar gestiftete Geburtstagsplakette, ebenfalls die von Anton Beer gestifteten 75 Ehrengaben.

   

Oskar Schmid
Gauschützenmeister 1976